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Viel schneller als die Evolution – Interview mit Geschäftsführer Alfred Rauscher zur Digitalen Transformation

R-KOM-Geschäftsführer Alfred Rauscher kritisiert die Einstellung gegenüber der Digitalisierung: Sie wird kurzfristig überschätzt, aber langfristig unterschätzt. Im Rahmen der letzten Ausgabe der Wirtschaftszeitung des Mittelbayerischen Verlags KG führte Gerd Otto ein Interview mit dem R-KOM Geschäftsführer Alfred Rauscher zu den verschiedenen Entwicklungsstufen der digitalen Revolution.

Herr Rauscher, wie revolutionär empfinden Sie die Digitalisierung? Was sehen Sie in dieser Entwicklung als positiv an, wo spüren Sie auch negative Trends?

Die Herausforderung besteht darin, Unzulänglichkeiten und die Einschränkungen der analogen Welt zu beseitigen und sie um digitale Sphären zu erweitern. Der Mensch konnte sich an evolutionäre Veränderungen in der analogen Welt immer gut anpassen. Die Digitalisierung geschieht aber viel schneller als die Evolution, somit muss unsere Anpassung rational geleitet sein. Mir persönlich wird der Digitalisierung gerade hier in Deutschland oft viel zu kritisch begegnet. Die kurzfristige Entwicklung wird überschätzt, die langfristige Entwicklung unterschätzt.

Und mit Blick auf die Region? Wo stünde Ostbayern, wenn dieser Wirtschaftsraum nicht auch die Chancen der Digitalisierung genutzt hätte?

Ich sehe in Ostbayern keine Leuchttürme der Digitalisierung, hier sind wir bestenfalls Durchschnitt. Wir stehen nicht da, wo wir stehen, weil wir die Digitalisierung besonders gut nutzten, sondern weil wir durch die EU-Osterweiterung neue Aktionsräume bekommen haben. Gleichzeitig mussten wir keine Altlasten verarbeiten und konnten eine gute Mischung aus Tradition und Moderne pflegen.

Gibt es heute dennoch auch einen Nachholbedarf? Und wenn ja, wo sollte hier angesetzt werden?

Gerade auf Anwendungsseite gibt es sehr viel Nachholbedarf. Die Digitalisierung wird von den Bürgern zunächst als Infrastrukturthema verstanden. Letzten Endes aber geht es um die Nutzung, um Anwendungen. Hier sind wir in weiten Teilen ideenlos und oft allzu kritisch gegenüber Todschlagargumenten wie dem Datenschutz.

Die Digitalisierung vorantreiben – steckte dieses Motiv schon damals hinter der R-KOM-Gründung im Jahr 1997?

Die Gründer wollten die Chancen der Liberalisierung des Telekommunikationsmarktes nutzen und ihre bereits vorhandenen Kommunikationsleitungen vermarkten. Gleichzeitig wollten sie durch den Einstieg in ein neues Geschäftsfeld die Auswirkungen der Liberalisierung im Energiemarkt ausgleichen.

Und was hat im Laufe dieser 25 Jahre die Zusammenarbeit mit immer neuen Geschäftspartnern bewirkt?

Der ständige Wandel in unseren Geschäftsbeziehungen, sowohl auf Lieferanten – wie auch auf Kundenseite, hat uns davor bewahrt, zu lange am Status quo festzuhalten. Dieser Aspekt war letztlich die Triebfeder einer laufenden Fortentwicklung.

Welche Rolle spielt hier die Marke Glasfaser Ostbayern?

Mit der Marke Glasfaser Ostbayern haben wir über zehn Jahre die Notwendigkeit und Bedeutung der Glasfaser in den Mittelpunkt unserer Aktivitäten gestellt. Heute ist Glasfaser in der Breite des Marktes und der Gesellschaft angekommen. Glasfaser Ostbayern hat damit seine Aufgabe erfüllt. Wir haben uns daher entschlossen, die Marke Glasfaser Ostbayern zu einer Initiative weiterzuentwickeln und zukünftig verstärkt durch unseren Firmennamen R-KOM nach außen zu treten und die Regionalität zu fokussieren.

Dass die R-KOM weiterhin ein mehrheitlich kommunales Unternehmen ist –was bedeutet dies für die Firmenphilosophie Ihres Unternehmens?

Wir sind langfristig orientiert und regional verpflichtet. Das heißt: Wir verfolgen keine Exitstrategie, die laufende Geschäftstätigkeit muss unsere Investitionen tragen. Wir sind nur in unserer Region tätig und müssen unser Handeln an den Bedürfnissen vor Ort ausrichten. Für uns gibt es keine zweite Chance, etwa nach dem Motto – wenn das Geschäftsmodell hier nicht funktioniert, dann gehen wir halt woanders hin. Unter dem Strich bedeutet kommunal für uns: Wir sind gekommen, um zu bleiben.

Der Fachkräftemangel wird zunehmend zu einem Engpass nahezu jeder Branche. Wie eklatant ist die Lage bei der R-KOM?

Als R-KOM sind wir mit der Telekommunikation in einem für Fachkräfte sehr interessanten Umfeld tätig. Zudem pflegen wir eine moderne, offene Unternehmenskultur, entwickeln unser Team laufend weiter und bieten damit ein Arbeitsumfeld, das seinesgleichen sucht. Beispiel hierfür ist unser neuer Standort „Kastl“ in der Kastenmaierstraße, der die Voraussetzungen für New Work schafft und den Mitarbeitern ganz neue Möglichkeiten für mobiles Arbeiten und interaktiven Austausch eröffnet.

Innovative Telekommunikation spiegelt sich nicht zuletzt im Namen der G-FIT wider: Was können die Kunden der R-KOM auf diesem Sektor erwarten?

In der G-FIT praktizieren wir die Zusammenarbeit mit mehreren Telekommunikations-Unternehmen, um gemeinsam Skaleneffekte zu erreichen. Die Aktivitäten stellen sicher, dass wir unseren Kunden auch morgen moderne, attraktive Produkte auf einem wettbewerbsfähigen Preisniveau anbieten können.

Kurz vor der Gründung der R-KOM konnte im Jahre 1996 ein Großrechner erstmals den amtierenden Schachweltmeister besiegen. Wohin wird uns die digitale Revolution grundsätzlich führen? Und wo sehen Sie die Zukunft der R-KOM?

Richtig genutzt wird uns die Digitalisierung in eine Zeit führen, die Beschränkungen aufhebt und neue Erfahrungen und Erlebnisse ermöglicht. Die Digitalisierung wird uns helfen, den großen Herausforderungen unserer Zeit wie Klimawandel, globaler Migration, demografischem Wandel und der Erschöpfung natürlicher Ressourcen zu begegnen. Und R-KOM schafft die infrastrukturellen Voraussetzungen, dass unsere Region vollumfänglich an dieser Entwicklung teilhaben kann. 

Das Interview führte Gerd Otto für die Wirtschaftszeitung vom Mittelbayerischen Verlag KG

Erscheinungsdatum: 01.07.2022