You are currently viewing Glasfaseroffensive in der Immobilienwirtschaft – Interview mit Miriam Lang

Glasfaseroffensive in der Immobilienwirtschaft – Interview mit Miriam Lang

Speziell in der Stadt Regensburg, aber auch in Straubing und Deggendorf wird der Ausbau der Telekommunikation durch die R-KOM intensiv vorangetrieben. Insgesamt werden in 2022 ca. 1.298 Geb├Ąude mit Glasfaser erschlossen, was in etwa 11.000 Nutzungseinheiten entspricht. An allen drei Standorten wird der Glasfaserausbau in enger Kooperation mit der Immobilienwirtschaft realisiert. ÔÇ×Mit Blick auf Synergieeffekte bei den Kosten werden ganze Stra├čenz├╝ge an das Hochgeschwindigkeitsnetz gebrachtÔÇť, beschreibt Miriam Lang die Strategie der R-KOM.

Mit verl├Ąsslichen Partnern

Als regionaler Partner der Wohnungswirtschaft k├Ânne die R-KOM auf langj├Ąhrige Erfahrungen rund um die Erschlie├čung, Modernisierung und Versorgung zur├╝ckblicken: ÔÇ×Wir sind nicht nur lokal vor Ort gut vernetzt, sondern uns auch der regionalen Verpflichtung bewusst.ÔÇť Man sei stets f├╝r die Partner greifbar und betreue diese eng von der Planung hin bis zur Umsetzung. Zudem verweist das Unternehmen darauf, dass die R-KOM kontinuierlich mit den gleichen regionalen Firmen zusammenarbeite und auch hier auf verl├Ąssliche Partner z├Ąhlen k├Ânne. Es gehe darum, fl├Ąchendeckend Glasfaserhausanschl├╝sse zu erstellen und die hochmoderne Infrastruktur in die Geb├Ąude zu bekommen. Dabei handelt es sich nach Darstellung der R-KOM zun├Ąchst nur um die Erstellung der Infrastruktur, ohne Kosten oder gar Abnahmeverpflichtungen f├╝r die Bewohner. Es sollen so viele Geb├Ąude wie m├Âglich davon profitieren, lautet das Credo des Unternehmens: ÔÇ×Deshalb stehen wir im regen Austausch mit der Wohnungswirtschaft.ÔÇť Beim ├ťbergang von der Kupfer in die Glasfaserwelt wird die Branche nicht zuletzt vom Bundesverband Breitbandkommunikation (BREKO) unterst├╝tzt, dessen Mitglieder laut Vizepr├Ąsident Alfred Rauscher insbesondere auf die zukunftssichere Glasfaser setzen und aktuell f├╝r 80 Prozent des Ausbaus mit direkten Glasfaseranschl├╝ssen verantwortlich zeichnen. Zum einen, darauf verweist Miriam Lang, gehe es hier um FTTB (Fibre to the Building), wo die Glasfaser nicht am Verteilerkasten auf der Stra├če, sondern direkt im Geb├Ąude ende. Mit FTTH (Fibre to the Home) werde das Signal zum anderen sogar bis in die einzelnen Wohneinheiten ├╝ber eine Glasfaservernetzung verteilt.

Wert der Immobilien steigt

Investitionen in Bauprojekte f├╝hren nach Auffassung der R-KOM zu einer Wertsteigerung der Immobilie und zeigen auch Vorteile hinsichtlich der Vermietung einer Wohnung. Schlie├člich habe nicht zuletzt die Coronapandemie die Bedeutung stabiler Hochgeschwindigkeitsnetze vor Augen gef├╝hrt.

TV-Nutzung darf man nicht als Nebenkosten abrechnen

Gespr├Ąch mit Miriam Lang, Vertrieb Immobilienwirtschaft der R-KOM GmbH & Co. KG

Frau Lang, seit einem halben Jahr gilt inzwischen das TKModG, also das sogenannte Telekommunikationsmodernisierungsgesetz. Welche Auswirkungen hat es in der Realit├Ąt?

Miriam Lang: Letztlich geht es hier um den Wegfall der Umlagef├Ąhigkeit der Kabelgeb├╝hren auf die Betriebsnebenkosten, mit einer ├ťbergangsfrist f├╝r Bestandsvertr├Ąge bis zum 30. Juni 2024. Nach dieser gesetzlichen Regelung d├╝rfen Vermieter die Nutzung des TV-Signals in der Wohnung nicht mehr ├╝ber die Nebenkosten abrechnen. Vermieter k├Ânnen mit dem gesetzlichen Sonderk├╝ndigungsrecht aus dem TKG einmalig die Gemeinschaftsversorgung k├╝ndigen. Dann m├╝ssen sich die Bewohner selbst um eine Versorgung mit Kabelfernsehen k├╝mmern. Dies kann ├╝ber die diversen Anbieter geschehen, welche eventuell im Geb├Ąude vorhanden sind, kann auch ├╝ber IP-TV oder Streamingdienste erfolgen.

Welche Konsequenzen ergeben sich daraus?

Selbstverst├Ąndlich d├╝rften wir als Anbieter Gemeinschaftsversorgungsvertr├Ąge weiterhin vertreiben, jedoch liegt dann das wirtschaftliche Risiko beim Vermieter. Hier gibt es einige Ideen und L├Âsungsans├Ątze innerhalb derWohnungswirtschaft, wie das umgesetzt werden k├Ânnte, sodass der Preis der Gemeinschaftsversorgung, die meistens g├╝nstiger als die Einzelversorgung ist, gesichertwerden kann. Nachdem das jedoch erst noch umgesetzt und gelebt werdenmuss, handelt es sich hier nur umIdeen und Ans├Ątze. Erfahrungen hat dazu noch niemand sammeln k├Ânnen. Wir als regionaler Kabelnetzbetreiber stehen unseren Kunden der Immobilienwirtschaft l├Âsungsorientiert zur Seite und versuchen, gemeinsam eine optimale L├Âsung zu finden.

Was w├Ąre da denkbar?

Dies kann zum Beispiel eine Aufl├Âsung der Gemeinschaftsversorgung und die Umstellung auf Einzelversorgung sein. Hier stehen wir gerne parat und unterst├╝tzen in der Umstellung und Betreuung die Bewohner. F├╝r ihre Versorgung mit Telefonie-, Internetund TV-Diensten kann dann die vorhandene Hausverkabelung genutzt werden, sodass keine baulichen Ma├čnahmen in den Geb├Ąuden erforderlich werden.

Und Open Access? Was bedeutet dies?

Das hei├čt, dass auch andere Anbieter unsere Infrastruktur nutzen k├Ânnen, um ihre Produkte dar├╝ber zu realisieren und an die Bewohner zu vertreiben. Dies sieht der Gesetzesgeber, beziehungsweise die Bundesnetzagentur sogar verpflichtend f├╝r alle Anbieter vor. Man spricht hier von einem diskriminierungsfreien Zugang f├╝r andere Anbieter.

Und was hei├čt das konkret?

Die Glasfaser kann bereits von allen genutzt werden, ohne dass in Bestandsgeb├Ąuden Ver├Ąnderungen oder Bauma├čnahmen anfallen m├╝ssen. Neubauten werden so gut wie immer mit einer eigenen Glasfaserleitung bis in jede Wohnung ausgestattet. Dies ist eine zukunftssichere L├Âsung. Im Bau gibt es so gut wie keinerlei Kostenunterschied, ob ich Kupfer und Coax oder Glasfaser in jede Wohnung lege. Zudem reicht bei Glasfaser nur die Glasfaser, Koaxialkabel, sogenannte Coax, werden nicht mehr ben├Âtigt, da selbst DVB-C-Kabelfernsehen dar├╝ber geliefert werden kann.

Was sollte man bei Bestandsgeb├Ąuden beachten?

Sinnvoll ist ein Einbau von Glasfaser im Rahmen von Sanierungsma├čnahmen, die sowieso erfolgen oder bei einer separaten Ert├╝chtigung der Hausverkabelung. Daf├╝r k├Ânnen bereits bestehende Kabelwege, etwa das Coax- Kabel oder nicht genutzte Kaminsch├Ąchte genutzt werden. Weniger beliebt sind eine Aufputzinstallation oder eine an der Au├čenfassade. Bei der Modernisierung von Hausverkabelungen sollteman darauf achten, dass alle Ma├čnahmen einer engen Mitarbeit der Eigent├╝mer und Abstimmung mit den Bewohnern bed├╝rfen.

Das Interview f├╝hrte Gerd Otto f├╝r die Wirtschaftszeitung vom Mittelbayerischen Verlag KG

Erscheinungsdatum: 01.07.2022